Das Gute Museum

Das Gebäude ist aus Schnee gebaut. Die Decken sind aus Eis. Die Böden sind nach langem Kampf mit dem Fachmann fertiggestellt worden. Es sind rutschige an – und absteigende Schlitterbahnen, von denen Räume abgehen, in denen sich von Künstlern selbstentworfene Kunstwerke befinden – an den richtigen Stellen aufgebaut. Im Eingang steht ein Automat vor Kälte klappernd und wirft in hohem Bogen Münzen durch die Eingangshalle. Dazu versetzt er mit Wucht die fragwürdigen Laute „Landesamt für Besoldung”. Im Erdgeschoß befindet sich das Resourcenzentrum, in dem die Frage des Menschenrechtes auf Energie gestellt wird. Dahinter liegt der Raum für Egoismus, der aus einem pirouettendrehenden Wirbelsturm besteht, der sich genau so viel Platz nehmen kann, wie er in der Rotation braucht.
Daran schließt die geheizte Tagesstätte „bessere Welt” für Kunstsammler an. Dieser Raum, der in die Geborgenheit lockt, wird durch Salzsäulen getragen, an denen die Schwundstufen des schmelzenden Eises ablesbar sind. Direkt darüber liegt der Raum gegen Ungeist, der nach oben offen ist. Daneben gibt es eine durchgangsähnliche Situation, in der Erbsen ausgestreut und Spinnräder aufgestellt wurden. Dort kann das Geschlecht der anwesenden Personen erkannt werden. Es gibt allerdings auch Personen, die die List durchschauen, sich Gewalt antun und fest über die Erbse schreiten oder die Spinnräder unbeobachtet lassen. Außerdem gibt es dort den Versuch die Geschlechterfrage nach der homöopathischen Methode zu lösen – Gleiches mit Gleichem zu heilen. Der Toilettenraum – der everybody's darling room, der im Sommer als Kühlungsstätte eingerichtet wird, bietet einen weiten Blick über mit Schnee bedeckten, glitzernden Skulpturengarten, in dem verschiedene Schneekugeln in Menschengröße aufgebaut sind, die entweder bejahende oder verneinende Kopfbewegungen machen und dazu „ ICH WILL” oder „ICH WILL NICHT” und stündlich „KUKUK” von sich geben.
Außerdem ist eine dort ansässige, seltene Vogelart zu beobachten, die im Kollektiv, bestehend aus drei Männern und einer Frau Brutpflege betreiben – ganz friedlich. Selten passiert es, daß eine andere Frau vorbeikommt, die gerade auf Männersuche ist und alles kaputt macht.

Asta Gröting, Berlin, Februar 1996